Fr 13.10.23
20.30
Theater
„wannst net sterbst sehn ma uns im nächsten Herbst“
wannst ned sterbst
© Katsey
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»Ich verlange, dass die Werke Elfriede Gerstls die nächsten hundert Jahre (und noch viel länger) gelesen werden. Das ist eine Stimme in der österreichischen Literatur, die nie verstummen darf. Diese gellende Leichtigkeit, diese zarten, aber durchdringend leisen Gedanken dürfen nicht in Vergessenheit geraten.«
Elfriede Jelinek
„Im Theater gewesen und endlich, endlich wieder begeistert! Das Universum, das sich hier öffnet ist in seiner Ambiguität fast schon sündig – und sich darin zu bewegen ein großes Theaterglück.“
Gabi Hift, Nachtkritik
Fr 13.10.23
20.30
Theater

„wannst net sterbst sehn ma uns im nächsten Herbst“

Ein Theaterabend mit Texten von Elfriede Gerstl von Johanna Orsini und Martina Spitzer. Eine Produktion von Pistoletta Productions in Kooperation mit dem TAG Wien.

Zwei Frauen in einem prekären Radio-Aufnahmestudio. Martha und Hanna arbeiten daran, die Texte von Elfriede Gerstl über den Äther zu bringen. Die beiden sind Sprecherinnen, gleichzeitig Tonmeisterinnen und Moderatorinnen. Einsam zu zweit in dieser zusehends aus den Fugen geratenen Live-Radiosendung… ärger als arg kanns eh nicht werden. 

Von und mit: Johanna Orsini und Martina Spitzer

Die Idee eines irren, prekären Experimentierstudios. Die beiden Darstellerinnen sind Sprecherinnen und gleichzeitig Tonmeisterinnen und Moderatorinnen: Martha und Hanna arbeiten daran, die Texte von Elfriede Gerstl über den Äther zu bringen. Eine Situation, die uns leider vertraut geworden ist: das Kreieren ohne Publikum; dass man sich ganz alleine wähnt und doch mit dem Publikum verbunden ist, durch einen Stream oder sonst eine Übertragung.

Der Arbeitsansatz der beiden Theatermacherinnen Johanna Orsini und Martina Spitzer war, diesen Theaterabend gemeinsam einsam, zu zweit zu entwickeln. Ohne Regie von außen, ohne Bühnenbildner*in, ohne Dramaturg*in … Sie behaupten, dass es in diesem Fall für die Umsetzung der Idee essenziell war, als einsames Duo zu agieren. Aber diesmal bitte mit Publikum!

Im Werk von Elfriede Gerstl finden sich Hörspiele und Gedichte, Prosa, Interviews und Sinnsprüche. Es sind sehr persönliche Texte, die sich mit dem Altern, Krankheit und dem Tod beschäftigen, in denen sie sich mit dem Frausein und Freundschaften auseinandersetzt. Texte, in denen es um die Einsamkeit und um das Schreiben geht, aber auch das Feiern und das Wiener Leben. Mit diesem Abend soll mit ihren Texten ihr Esprit zelebriert und folgendes Zitat von Elfriede Jelinek berücksichtigt werden:

Elfriede Gerstl 1932–2009

Die Tochter eines jüdischen Zahnarztes überlebte die Zeit von 1938 bis 1945 in verschie¬denen Verstecken in Wien. Ab 1952 studierte sie einige Semester Medizin und Psycholo¬gie und begann Anfang der 1950er Jahre zu schreiben. In den bewegten 1960er Jahren lebte sie als Stipendiatin des Literarischen Colloquiums in Berlin, wo sie u.a. zusammen mit Hubert Fichte und Peter Bichsel den Gemeinschaftsroman Das Gästehaus verfasste. Schon ab 1951 veröffentlichte sie in Zeitschriften und Verlagen der österreichischenliterarischen Gegenszene. Sie schrieb Gedichte, Essays und kurze Prosastücke und war als einzige Frau im Umkreis der Autoren der Wiener Gruppe aktiv. Ab 1972 lebte sie ausschließlich in Wien und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Grazer Autoren-versammlung (GAV), aus der sie 1992 aus- und 1995 wieder eintrat. Für ihr Werk erhielt sie u.a. den Erich-Fried-Preis, den Georg-Trakl-Preis, den Theodor-Körner-Preis und den Heimrad-Bäcker-Preis.

In ihrem Todesjahr 2009 wurde ihre letzte Veröffentlichung Lebenszeichen - Gedichte, Träume, Denkkrümel vom Literaturverlag Droschl herausgegeben.